Veranstaltungen

Freitag, 11. April 2025

Wir laden herzlich ein zur Lesung von Annett Gröschner aus ihrem neuen Roman Schwebende Lasten.

 

Hanna Krause war Blumenbinderin, bevor das Leben sie zur Kranführerin machte. Sie hat zwei Revolutionen, zwei Diktaturen, einen Aufstand, zwei Weltkriege und zwei Niederlagen, zwei Demokratien, den Kaiser und andere Führer, gute und schlechte Zeiten erlebt, hat sechs Kinder geboren und zwei davon nicht begraben können, was ihr naheging bis zum Lebensende. Hatte später, nachdem ihr Blumenladen längst Geschichte war, von einem Kran in der Halle eines Schwermaschinenbaubetriebes in Magdeburg einen guten Überblick auf die Beziehungen der Menschen zehn Meter unter ihr und starb rechtzeitig, bevor sie die Welt nicht mehr verstand. Annett Gröschners Roman erzählt die Geschichte eines Jahrhunderts in einem einzigen Leben und gibt, mit Hanna, denen ein Gesicht, die zu oft unsichtbar bleiben. Ein Roman über das Ende des Industriezeitalters und seiner Heldinnen im Osten Deutschlands – und über eine gewöhnliche Frau in diesem unfassbaren 20. Jahrhundert.

 

 

wann? Freitag, 11. April um 20 Uhr
wo? in der Dante

Soli-Eintritt 8/10/12 Euro

Ticketreservierung unter anmeldung@danteconnection.de, 030 – 615 76 58 oder direkt im Laden.

 

Annett Groeschner (geb. 1964), Autorin, fotografiert in Berlin-Schöneweide, 12.8.2024

Annett Gröschner, geboren 1964 in Magdeburg, lebt seit 1983 als Schriftstellerinin Berlin. Bekannt wurde sie vor allem mit ihre Romanen „Moskauer Eis“ (2000) und „Walpurgistag“ (2011). Zuletzt erschien bei Hanser ihr gemeinsam mit Peggy Mädler und Wenke Seemann verfasster Bestseller „Drei ostdeutsche Frauen betrinken sich und gründen den idealen Staat“ (2024). Annett Gröschner wurde vielfach ausgezeichnet, zuletzt mit dem Großen Kunstpreis Berlin.

Samstag, 5. April 2025

NACH T WORT

Die 1. Literarische Soirée im Obermaier Salon


Wie schreiben, wenn die Wörter im Mund zerfallen? Was tun, wenn das eigene Land nur noch für Tod und Zerstörung steht? Die gefeierte russische Dichterin Maria Stepanova stellt gemeinsam mit ihrer Übersetzerin Olga Radetzkaja ihren 2024 veröffentlichten Roman vor, in dem sich die Lesereise einer Autorin im Exil zur Grenzerfahrung entwickelt: Der Absprung.

Save the date – zur ersten literarischen Soirée NACH T WORT im Obermaier Salon kuratiert von Dunja Funke und Stefanie Hetze.

wann? Samstag, 5. April um 22 Uhr
wo? Obermaier Salon, Erkelenzdamm 17

Einlass ab 21.30 Uhr

Tickets 10 Euro
Reservierung: info@danteconnection.de
info@obermaier-kreuzberg.de

Maria Stepanova, 1972 in Moskau geboren, ist die international erfolgreichste russische Dichterin der Gegenwart. Für ihr umfangreiches lyrisches und essayistisches Werk wurde sie vielfach ausgezeichnet. Ihr Prosadebüt Nach dem Gedächtnis (2018) wurde in zahlreiche Sprachen übersetzt. Sie lebt zurzeit in Berlin.

Olga Radetzkaja, geboren 1965, studierte Slawistik und Komparatistik. Sie arbeitet als freie Übersetzerin aus dem Russischen und übersetzte u. a. Werke von Viktor Schklowskij, Vladimir Sorokin, Julius Margolin und Maria Stepanova.

NACH T WORT

Die 1. Literarische Soirée im Obermaier Salon


Die russische Dichterin Maria Stepanova stellt gemeinsam mit ihrer Übersetzerin
Olga Radetzkaja ihren 2024 veröffentlichten Roman vor, in dem sich die Lesereise einer Autorin im Exil  zur Grenzerfahrung entwickelt: Der Absprung.

Save the date – zur ersten literarischen Soirée im Obermaier Salon kuratiert von Dunja Funke und Stefanie Hetze.

wann? Samstag, 5. April um 22 Uhr
wo? im Obermaier Salon, Erkelenzdamm 17

mehr

Die Dante lädt ein!

Schwebende Lasten

Annett Gröschner stellt ihren neuen Roman Schwebende Lasten vor.

Nicht weniger als ein ganzes Leben erzählt Annett Gröschner mit der Geschichte der Blumenbinderin und Kranfahrerin Hanna Krause – mit einer Wucht und Poesie, wie sie nur dort entstehen können, wo die Literatur wirklichkeitssatt ist.

Save the date!

wann? Freitag, 11. April um 20 Uhr
wo? in der Dante

mehr

Akiko Miyakoshi: Die kleine Spitzmaus 

Aus dem Japanischen übersetzt von Paula Weber und Nicola T. Stuart, Jacoby & Stuart, 80 Seiten, 14 Euro, ab 5

Mit einem hinreißenden Blick schaut diese kleine  Spitzmaus direkt vom Cover ins Herz ihrer Betrachter*innen. Die japanische Autorin und Illustratorin Akiko Miyakoshi erzählt uns in drei kurzen Geschichten aus ihrem Leben in einer großen Stadt mitten in einem menschlichen Umfeld. Hier gibt es Vintage ohne jeden Schick, dafür mit berückendem Charme: Telefonapparate mit Wählscheiben, Kofferradios, Röhrenfernsehgeräte und Ohrensessel, die Miyakoshi in warmem Licht geschickt in Szene setzt. Die Spitzmaus arbeitet, träumt und verbringt Zeit mit ihren besten Freunden. Alle Tagesabläufe, jede Handlung findet zu festen Zeiten statt. Es scheint kaum Besonderes zu geben, und doch strahlt sie eine in sich ruhende Zufriedenheit aus. Und ebenso unaufgeregt wirken die zahlreichen, mal farbigen, mal schwarz-weißen Illustrationen. Kinder, die es lieben, sich tagtäglich in vertrauten Bahnen und mit kleinen Ritualen durch die Welt zu bewegen, werden sich in diesem Buch bestens zuhause fühlen. In seiner einfachen Sprache, den kurzen Sätzen und dank der vielen Bilder funktionieren die Geschichten zum Vorlesen für Kinder im Kita-Alter, im Grundschulalter wiederum zum ersten Selbstlesen. Enjoy the simple things in life! Diese Spitzmaus zeigt, dass es weder Mut noch Ausnahmetalente zum Glück braucht. (Jana Kühn)

Das Buch bestelle ich bei Dante!

Ulli Lust: Die Frau als Mensch

Reprodukt 2025, 256 Seiten, 29 Euro

Als die junge Protagonistin Ulli in den 1970er Jahren ihrer Mutter beim Putzen einer österreichischen Dorfkirche hilft, entdeckt sie eine Statue im hinteren Kirchenschiff: Maria, die den Teufel besiegt. Sie ahnt hier schon, was sich auf ihrem späteren Weg bestätigen wird: Nicht nur in der Ausstattung dieser Kirche, in der gesamten Kunstgeschichte ist sie ist eine Frau unter vielen, sehr vielen Männern. Das gilt für Maria, wie auch für die Autorin selbst. 45 Jahre später kehrt die mittlerweile etablierte Dokumentarzeichnerin Ulli Lust in jene Kirche zurück und macht sich von dort aus auf den Weg, diese immer noch unerzählte Geschichte „Der Frau als Mensch“ grafisch freizulegen. Sie beginnt mit einer Führung durch die von Forschung jahrtausendelang ignorierten und missinterpretierten prähistorischen Figurinen. Hier ist die graphic novel gleichermaßen Museum wie kunsthistorisch-anthropologischer Meilenstein, dem ich Standardwerkstatus wünsche. Die Geschichte der Marginalisierung endet bei Ulli Lust jedoch nicht mit der fehlenden weiblichen Perspektive in Forschung, Literatur und Kunstgeschichte. Sie folgt den Linien der Unterdrückung über den afrikanischen Kontinent, von den Anfängen der Hominiden bis zur systematischen und ökonomischen Ausbeutung indigener Kulturen und ihrer angestammten Territorien. Ein Museumsbesuch der besonderen Art – reingehen! (Kerstin Follenius)

Das Buch bestelle ich bei Dante!

Eva Strasser: Wildhof

Wagenbach 2025, 208 Seiten, 22 Euro

„Irgendwann war doch mal alles gut, in irgendeiner versteckten Ecke der Vergangenheit hat es doch verdammt noch mal gefunkelt.“
Lina, fast 30, kommt nach Wildhof zurück, um die bei einem Verkehrsunfall verstorbenen Eltern zu beerdigen und deren Haus am Fluss zu verkaufen. Ein trauriger Anlass, ein trauriges Haus, ein verwilderter Garten, viel Natur und viele Erinnerungen. Lina will nichts davon, aber die Natur ist mächtig und vertraut und die Erinnerungen sind schön.
Rotzig und seltsam somnambul bewegt sich Lina durch diese Gemengelage, tut, was zu tun ist, trifft auf alte Freund*innen, das ist gut. Und sie sieht sich mit seltsamen Dingen konfrontiert: die Kuckuckuhr – nicht aufgezogen – schlägt, ein moosbewachsener alter Fußball liegt wie neu im Garten, immer wieder sieht sie eine prächtige Rehkönigin im Wald und immer und immer wieder hört sie das Lachen von Luise, ihrer Zwillingsschwester, die verschwand als beide fast 13 waren und die ihr, wie Lina jetzt versteht, eine Botschaft hinterlassen hat.
Ein Buch, das davon erzählt, dass fast immer alles möglich ist. Es zu lesen ist wie ein rauschhaftes langes bittersüßes Fest. (Katharina Bischoff)

Das Buch bestelle ich bei Dante!

Christine Wunnicke: Wachs

Berenberg, 2025, 176 Seiten, 24 Euro

Was für ein grandioser Einstieg: eine kleine verhüllte Gestalt verschafft sich im Dunkeln Eintritt in die Kaserne der Schwarzen Musketiere. Ständig betend, zaghaft und gleichzeitig klar entschlossen arbeitet sie sich vor, bis sie einem Offizier ihr Begehren vortragen kann. Sie, die sich als Tochter einer Apothekerfamilie vorstellt, möchte eine Leiche kaufen!
Mit dieser filmreifen Szene eröffnet Christine Wunnicke ihren rasanten biografischen Roman über das Leben und die Liebe zweier französischer Doppelbegabungen aus dem 18. Jahrhundert, der Anatomin und Wachsbildnerin Marie Biheron und ihrer Freundin, der Künstlerin und Botanikerin Madeleine Basseporte. Beide wirkten bahnbrechend in ihren Metiers, Madeleine wurde im Jardin du Roi als Pflanzenmalerin festangestellt, Maries naturgetreue anatomische Wachsmodelle reüssierten in den Welten der Wissenschaften und König*innen kauften beider Werke. Beide waren äußerst eigensinnig und eigenständig, ineinander verliebt und dies in den vor- und revolutionären Wirren. Hinreißend, wie die Autorin mit diesen Komponenten spielt und leichtfüßig, in knappen schnellen Sätzen, mit skurrilen Details, voll der Erotik, mit pointiert gesetzten altertümlichen Begriffen, einen sprühenden queeren Roman geschaffen hat. (Stefanie Hetze)

Das Buch bestelle ich bei Dante!

Buchpremiere: „Das Buch Helga“

Wir laden herzlich ein zur Berliner Premiere von Das Buch Helga von Christina Maria Landerl.

wann? Freitag, 7. März um 20 Uhr

Musikalische Begleitung Maria Kamutzki.

Soli-Eintritt 8/10/12 Euro

Helga war einmal ein beliebter Vorname. Auch Christina Maria Landerls Mutter heißt so. Hieß, besser gesagt. Sie ist früh verstorben, da waren ihre beiden Töchter und der Sohn noch Kinder. Die mittlere Tochter, Christina, hat sich aufgemacht, dem Menschen Helga auf die Spur zu kommen. Doch die Spuren sind spärlich; der Vater redet nicht gern über die Zeit mit Helga, und der Großmutter scheint die Erinnerung an ihre Tochter körperliche Schmerzen zu bereiten. Am verlässlichsten berichten noch die Freundinnen, über den streng reglementierten Tagesablauf im Klosterinternat zum Beispiel. Und zum Glück haben sich Fotos und Briefe erhalten. So lassen sich die Eckpfeiler des Buches Helga rekonstruieren, doch die Farben, die Nuancen dazwischen muss die Autorin sich vorstellen. Welche Musik hat Helga gehört, wenn sie verliebt war? Hat sie, ein Kind aus einfachen, ländlichen Verhältnissen, manchmal von einem anderen Leben geträumt? Hat sie gelacht, bis ihr die Tränen kamen, und hat sie gebetet, als sie von ihrer Krankheit erfuhr?

Foto: Ronny Aviram

In ihrem bisher persönlichsten Buch erweist sich Christina Maria Landerl einmal mehr als ,Meisterin der Zurückhaltung‘. Hinter der scheinbaren Sachlichkeit ist immer der übergroße Verlust spürbar. Von einem viel zu kurzen Frauenleben erzählt uns dieses Buch, das der einen und zugleich all den anderen Helgas gewidmet ist.

Christina Maria Landerl
1979 geboren, wuchs in Sierning/OÖ auf. Nach einem Studium der Germanistik an der Universität Wien studierte sie Literarisches Schreiben am Deutschen Literaturinstitut in Leipzig, wo sie 2011 mit ihrem vielbeachteten Debüt Verlass die Stadt (Schöffling & Co) abschloss. Bei Müry Salzmann erschienen die Romane Donnas Haus (2016) und Alles von mir (2020) sowie der Foto-Text-Band TelAviVienna in Kooperation mit der Künstlerin Ronny Aviram.
Landerl ist ausgebildete Sozialpädagogin sowie Traumafachberaterin und arbeitete viele Jahre mit Jugendlichen und jungen Frauen*. Aktuell lebt sie als freie Schriftstellerin in Berlin und Wien.

Fabian Saul: Die Trauer der Tangente


Matthes & Seitz 2024, 320 Seiten, 26 Euro

Die Trauer der Tangente ist das vielleicht dichteste, das mit Sicherheit berührendste Buch, das ich seit langem gelesen habe. Über zehn Jahre hat Fabian Saul Gedanken, Begegnungen, Zitate, Erlebnisse und Orte sedimentieren lassen, bis sie – so scheint es wenigstens – von selbst ihre Geschichte, ihren erzählerischen Verlauf gefunden haben. Es geht darin um Freundschaft, um Liebe, um Abschiede, um das Eigene im Anderen. In kurzen Erzählfragmenten erschließt sich im Lesen ein immer enger geknüpftes Netz aus Orten und namenlos bleibenden Menschen, die ihre Identität erst langsam durch sich wiederholende Wendungen und Zuschreibung erhalten, die dem Buch einen fast musikalischen Duktus verleihen. „Trocadéro hast Du gesagt…“ ist so eine dieser poetischen Chiffren, die ganz langsam die Stadt Paris als Ort einer Begegnung, als koloniale Kulisse, als einen Kindheitsraum definieren. Sauls Erzählen bleibt immer flüchtig und vorläufig, gräbt sich als literarisches Bild umso tiefer und dauerhafter ein, auch wenn das Buch schon lange beiseite gelegt ist. Die titelgebende Tangente ist es, über die Fabian Saul sicher durch dieses vielschichtige Universum führt, punktuelle Berührungen von einer solchen Intensität erzeugt, das man mit vollem Herzen wieder an das Erzählen glauben mag.
(Kerstin Follenius)

Das bestelle ich!